Gerhard Ebert von der 3E Datentechnik GmbH im Interview in der Bauelemente Bau

„Stellenwert der IT noch zu gering“

Im Dezember letzten Jahres hat die 3E Datentechnik aus Oberkochen bei Aalen ihren neuen Firmensitz bezogen. Das Gebäude ist, wie es sich für einen Softwareanbieter gehört, mit modernster Technik ausgestattet und auf Flexibilität ausgelegt. Wir sprachen mit Gerhard Ebert, Geschäftsführer von 3E, über das neue Gebäude, aber auch über Zukunftsperspektiven für sein Unternehmen und die Branche.

Gerhard Ebert

Gerhard Ebert,
Geschäftsführer der 3E-Datentechnik.

Drei Fahnen in der Sonne

Der neue Firmensitz wartet auch innen mit einer modernen Empfangshalle auf. (Foto: 3E-Datentechnik)

Herr Ebert, wie hat sich das Jahr 2015 für 3E entwickelt?

In punkto Umsatz sind wir im Vergleich zu 2014 mit etwa 10 Millionen Euro stabil geblieben. Gleiches gilt auch für unser Personal mit rund 90 Mitarbeitern. Darüber hinaus haben wir in den vergangenen Jahren eine neue Abteilung geschaffen. Die neue Abteilung ‚Produktmanagement’ trägt nun maßgeblich zur Weiterentwicklung unserer Lösungen bei und stellt unsere Kunden klar in den Vordergrund. Ebenso haben wir unseren Vertrieb neu strukturiert. Dieser soll primär wieder eine deutlich bessere Kundenorientierung vorleben und aktiv dazu beitragen, unsere Kunden mit unserer Software vertrauter und fitter zu machen.

Im Dezember letzten Jahres sind Sie in das neue Firmengebäude umgezogen. Was hat diesen Umzug veranlasst?

Das alte Gebäude setzte unserer Weiterentwicklung Grenzen. In den alten vier Wänden hatten wir einfach nicht mehr genügend Raum zur Verfügung, so dass die mittlerweile benötigte Infrastruktur unseren Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Zudem stand das alte Gebäude nicht mehr stellvertretend für unseren Anspruch. Ein weiterer entscheidender Faktor war natürlich auch der Entschluss meiner Kinder, das Unternehmen fortzuführen. Mit dem Neubau schaffen wir die Rahmenbedingungen, dass sich 3E auch weiterhin entwickeln kann.

Haben Sie in dem vergangenen halben Jahr bereits strategische Vorteile aus dem Umzug ziehen können?

Davon gibt es durchaus Einige. Wir verzeichnen jetzt schon mehr Kundenbesuch bei uns im Haus. In den neuen Seminarräumen veranstaltet unser Produktmanagement regelmäßig Praxisforen mit Kunden. Auch unser Seminarangebot wollen wir auf diese Weise sukzessive ausbauen. Wir sind nun in der Lage, hochflexibel zu reagieren, wenn wir ein oder auch mehrere Events gleichzeitig bei uns im neuen Gebäude ausrichten. Unsere einzelnen Teams haben nun ebenfalls den Raum, sich agil und abteilungsübergreifend nach Bedarf zu bilden. Zudem hat der Neubau eine Art Signalwirkung bei unseren Kunden, Branchenbegleitern und natürlich auch bei unseren Mitarbeitern.

Ist Ihr neues Domizil auch darauf ausgelegt, das 3E-Team in Zukunft vergrößern zu können?

Grundsätzlich ja. Außerdem sind viele unserer Mitarbeiter bei den Kunden vor Ort im Einsatz oder im Homeoffice tätig. Für diese haben wir daher einige Springer-Arbeitsplätze eingerichtet, wenn sie für Abstimmungstermine bei uns im Haus sein müssen. Noch in diesem Jahr werden wir eine neue Abteilung ‚Export’ gründen. Diese wird bestehende Auslandsmärkte stabilisieren und neue Märkte entwickeln.

Herr Ebert, in einem Interview hatten Sie mal gesagt: „Unsere Markenzeichen sind konsequente Weiterentwicklung, der Einsatz richtungsweisender Technologien und hohe Kundenorientierung.“ Könnten Sie dieses Zitat ein wenig ausführlicher erläutern? Wie definieren Sie z.B. im Hause 3E den Begriff ‚Kundenorientierung’?

Mir persönlich sind unsere Werte sehr wichtig. Dazu gehört auch, dass wir uns in verschiedener Hinsicht kontinuierlich weiterentwickeln. Dazu gehören unter anderem Cloudlösungen, SaaS, internetbasierte Verkaufslösungen, die Einbindung von Smartphones, die moderne Kacheloptik mit rollenbasierten Hintergrundfeeds. Wir wollen alle Möglichkeiten, welche die moderne .NET-Technologie bietet, nutzen und ausbauen. Unser Aufstieg seit der Gründung 1993 ergab sich in erster Linie daraus, dass wir die ersten waren, die eine 100%ige Windows-Lösung mit integrierter SQL-Datenbank angeboten haben. Diese Nasenspitze wollen wir natürlich auch weiterhin voraus sein, und mit dem neuen Gebäude stimmen Werte und Ausstrahlung nun überein. Das Thema Kundenorientierung verstehen wir so, dass wir die Fähigkeit und die Bereitschaft haben, die Perspektiven und Sichtweisen unserer Kunden einzunehmen. Dadurch haben zum Beispiel die Bedienerfreundlichkeit (Usability) und die Prozessorientierung einen höheren Stellenwert als noch vor 10 Jahren.

Wie groß ist aktuell Ihr Kundenstamm?

Wir haben derzeit ca. 470 Kunden. In dieser Zahl sind die Händler allerdings nicht einbezogen. Etabliert sind wir mittlerweile in der Schweiz mit ca. 140 Kunden, in Frankreich, Österreich und natürlich in Deutschland. Künftig sind wir auch in Fernost besser vertreten. Dort haben wir uns neu aufgestellt und werden als zweiter namhafter Lösungsanbieter Fuß fassen. Wir beobachten aber auch andere Märkte auf anderen Kontinenten. Nicht alle Märkte sind heute schon reif für einen höheren Industrialisierungsgrad, aber wir müssen kontinuierlich beobachten und bereit sein, wenn es so weit ist. Unser Ziel ist es, im gesamten Ausland ein jährliches Wachstum von mindestens 10% zu erzielen.

Kann man eine gewisse Kundenstruktur im Hause 3E ableiten?

Unsere Kundengröße rangiert von 15 bis etwa 800 Mitarbeitern mit mehreren Standorten. Das kommt daher, weil unsere Lösung grundsätzlich skalierbar, also für jede Betriebsgröße geeignet ist und bei Bedarf auch mitwächst. Manche unserer Neukunden wechseln zu uns, weil sie aus ihrer bisherigen Lösung herausgewachsen sind. Wir können also das ganze Spektrum abdecken und das spiegelt sich auch in unserem Kundenstamm wider.

Haben Sie sich durch diesen Umstand vom Wettbewerb absetzen können?

Wir sind schon sehr früh mit dem Thema ERP konfrontiert worden, hatten wir doch keine „Altlasten“ zu bewältigen und durch die integrierte Datenbank von Anfang an gute Möglichkeiten. Heute haben wir Kunden, die mit einem Mandanten angefangen haben und sich so entwickelt haben, dass sie mit vielen Mandanten in unterschiedlichen Ländern quasi in Konzernstruktur ihr Unternehmen abbilden. Auch sogenannte kleinere Unternehmen, die gewachsen sind und sich weiterentwickeln wollen, sind mit unseren skalierbaren Lösungen gut bedient. Bei uns gibt es kein entweder klein oder groß – wir haben für alle Bedarfe passende Pakete.

Wo sehen Sie in der Branche akuten Handlungsbedarf?

Die Erkenntnis, dass man heute mit Informationstechnologie sehr viel für sein Unternehmen und dessen Wettbewerbsfähigkeit herausholen kann ist noch nicht genug ausgeprägt.
In ganz Deutschland wird über Digitalisierung und Industrie 4.0 diskutiert und auch die Bauelementebranche möchte sich eigentlich gerne mit dieser Modernität schmücken. Schaut man genauer hin, so sind einfach die allermeisten gedanklich noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen. Schlagworte hierfür wären zum Beispiel die papierlose Produktion, die digitale Materialbeschaffung oder auch die elektronische Abwicklung mit den angebundenen Händlern.
Die Qualität der Produkte und die Produktionsprozesse zur Herstellung sind länderübergreifend vergleichbar. Entscheidend für die Schlagkraft und Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Unternehmen wird zukünftig die Digitalisierung von Geschäftsprozessen sein. Grundsätzlich ist die Erkennung des Potenzials, das in diesen Technologien steckt, noch zu gering. Da besteht auch bei uns Handlungsbedarf, das noch besser zu kommunizieren.

Wie kann die Software den Fensterbauer bei den alltäglichen Herausforderungen dann unterstützen, besonders im Hinblick auf Themen wie z.B. CE-Kennzeichnung, Dokumentation oder Leistungserklärung?

Das ist natürlich ein gutes Beispiel, weil es alle Fensterhersteller betrifft. Ohne Unterstützung durch Software müssen die Werte mühselig zusammengetragen werden. Die Dokumentationspflicht kostet so mehr Zeit, darüber hinaus muss alles nachvollziehbar sein. Die Abbildung solcher Prozesse gehört in der Software zu den Basics. Ein schönes Beispiel ist die Versandlogistik. Hier muss der gesamte Prozess von Produktionsende bis zur Auslieferung lückenlos abgebildet sein. Im Alltag ist es ein großer Vorteil, wenn sich das produzierende Unternehmen darauf verlassen kann, dass sich alles Notwendige an Bord befindet.

Bei Investitionen haben die Fensterbauer lange den Fokus auf Maschinen gelegt. Wird heute eher auch die Software einbezogen?

Ja, aber wie schon gesagt immer noch viel zu wenig. Die Folgegenerationen haben zwar inzwischen mehr betriebswirtschaftliches Interesse als die Gründergenerationen. Dennoch ist es allgemein zu wenig bewusst, dass man heute nur noch gewinnen kann, wenn man seine Unternehmensprozesse im Griff hat und durch gut optimierte und IT-unterstützte Abläufe und digitalisierte Prozesse Kosten spart und Geschwindigkeit erzeugen kann. An dieser Bewusstseinsbildung arbeiten wir permanent.

Wie sehen Sie heutzutage demnach die Rolle des Softwareanbieters? Seit dem Start von 3E hat sich sicher Einiges verändert.

Für den Anbieter einer Software ist es heute unerlässlich, ein tiefes Verständnis für alle Prozesse in der Fensterfertigung zu besitzen. Früher waren technische Aspekte wichtig, sprich die Kalkulation, die Arbeitsvorbereitung und eventuell noch die Maschinensteuerung. Heute sind wir mehr denn je auch als Berater gefragt und müssen mit unseren Lösungen auch die Planung, Ressourcenoptimierung, Qualitätsverbesserung und Durchgängigkeit abbilden. Unsere Aufgabe ist es, die Fensterhersteller schlagkräftig zu organisieren und gut für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen.

Ein weiteres Thema, welches derzeit immer präsenter wird, ist BIM. Wie sehen Sie diese Entwicklung und warum sollten sich Fensterbauer zunehmend mit BIM beschäftigen?

BIM bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Industrie 4.0. Für die Fensterhersteller wird dies voraussichtlich von wachsender Bedeutung sein und mittelfristig zu einem Standard werden, der manche Vertriebsprozesse bzw -modelle verändern wird. Wir planen aktuell eine Umfrage bei unseren Kunden zu diesem Thema. Das Ergebnis wird maßgeblich unsere Priorität bestimmen, was BIM angeht.

Bietet Ihre Software bereits Lösungen für BIM?

Mich erinnert das Ganze an die Frühphase der Themen Bauprodukteverordnung / CE / Leistungserklärung. Da herrschte anfangs ebenfalls große Unsicherheit darüber, was überhaupt notwendig sein würde. Diese Unsicherheit besteht ein Stück weit auch hier. Natürlich beobachten wir die Entwicklung mit großem Interesse, die nötigen Standards sind heute für uns noch nicht erkennbar. Wir investieren jetzt nicht in eine Richtung, die sich womöglich nicht durchsetzt, für die es heute aus unserer Sicht noch keine Standards gibt. Sobald sich die Lage geklärt hat, sind wir bereit, die Anforderungen umzusetzen. Aber zu aller erst interessiert uns, was unsere Kunden dazu sagen.

Herr Ebert, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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